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Heute vor einem Jahr

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Agata & Leni (2)
Heute vor einem Jahr saß ich mit deinem Papa auf dem Wohnzimmerteppich. Wir haben Kerzen angezündet und uns auf weiche Kissen gesetzt. Zuvor waren wir noch bei der Akkupunktur und Frau Schwennicke hat ihre Nadeln ordentlich in meinen kleinen Zeh gerammt, den „Raußschmeisser“. Sie hat uns vorsichtshalber noch ein paar mit nach Hause gegeben und Niklas an ihrer Hand beigebracht, sie zu setzen.

Und so saßen wir da in der Stille dieses magischen Abends und haben gebetet. Zum Leben, dass es uns das bringen möge, was gut und richtig ist. Zu Gott, dass alles gut wird. Und zu dir, dass du dich auf den Weg machen mögest. 11 Tage über dem Termin lagen unsere Nerven blank: unsere Hebamme hatte sich den Arm gebrochen und wir wussten, dass du nicht hier zu Hause geboren werden kannst. Die Ärzte aus dem Krankenhaus winkten schon mit der künstlichen Einleitung und so flehten wir zu dir, dass du dich bitte auf den Weg machst. Erklärten dir, warum wir uns wünschen, dass du dich selbst entscheidest loszugehen anstatt dich durch Medikamente zu zwingen. Zeigten dir, dass wir bereit sind und uns so unglaublich auf dich freuen, dass wir nicht mehr warten mochten.

Und dann kam der Moment. Ich legte mich um Mitternacht ins Bett und sie kam, die erste Wehe. Ich wusste sofort: jetzt gehts los. Kurz darauf kam die Zweite, schon etwas stärker. 5 Minuten später umarmte ich schon unseren Gymnastikball und trällerte fröhlich durch die Wohnung: ES IST SOWEIT, ich habe Wehen, JUHUUU!! Ich war so erleichtert und glücklich, dass sie jetzt losging, diese Reise ins Unbekannte. Ziemlich schnell wurden die Wehen so stark, dass ich nicht nur bewusst Atmen sondern auch Tönen musste. Heftig. Aber wundeschön, überall waren Kerzen, der CD-Player spielte Jonsi&Alex und Helios und dein Vater brachte mir gekühltes Kokoswasser: mhh, fast schon Wellness. Es war wunderschön, diese ersten Stunden hier zu Hause zu sein. Ich war ganz in meinem Space, in meiner Energie und hatte viel Zeit um mich ganz auf uns Zwei einzutunen. Dein Papa hat in der Küche gerödelt und den Rucksack fürs Krankenhaus gepackt. Im Nachhinein lachen wir darüber, dass er dafür mindestens 3 Stunden gebraucht hat, so nervös war er. Währenddessen hab ich gebadet, getönt und mich entspannt. Nach 5 Stunden hatten wir dann das Gefühl, dass du jeden Moment kommst und riefen das Taxi.

Im Krankenhaus kam dann der große Bummer: noch nicht einmal 3cm, wir können wieder nach Hause fahren. NÖ! Wir blieben und sicherten uns einen wunderschönen Kreißsaal ganz für uns alleine. Niemals hätten wir gedacht, dass es noch bis zum Abend dauern sollte, bis du da bist.
Aber plötzlich, ja plötzlich hat es sich dann angefühlt, warst du da. Lagst auf meiner Brust, du kleines Wunderwesen mit den Schlitzaugen und den Riesenhänden. Wer bist duuuuu denn??? Hab ich im ersten Moment gedacht. Lange haben wir uns so angeschaut, mit jeder Minute versucht zu begreifen was da passiert. Ich habe dich auf meinem Körper gespürt und konnte es nicht fassen, dass du nicht mehr in mir wohnst sondern auf mir drauf bist. Deine glitschige, weiche Haut, deinen Kopf zu sehen, wie du aussiehst, wer du bist. Du wunderschönes Mädchen. Was für ein Wunder, was für ein Geschenk…alles dran, alles gesund, alles gut…müder Körper, blutiger Hals und schwache Mama. Mama. Das bin ich jetzt. Und heute bin ich es seit einem Jahr. Seit einem Jahr bist du meine Tochter. Was für eine Tochter! Welch ein neugieriges, mutiges, tapferes Geschöpf! So ein besonderes Mädchen, so einzigartig, so liebevoll, so stark und energisch. So eine kleine Große, große Kleine. Überall waren Marienkäfer in deiner Nähe, schon vor deiner Geburt und auch danach. Dein Glücksbringer. Und während dein Vater ausnahmensweise hinter der Pflanze im Flur auf einem Metallstuhl schlief, lagst du in unserer ersten Nacht neben mir, kleines Paket. Kein Auge hab ich zubekommen, musste ich doch stets hören ob du noch atmest, dich mit müden Augen betrachten und versuchen zu begreifen, dass alles wahr ist.

Und jetzt liegst du dort, in deinem kleinen Bettchen meine kleine Große, meine große Kleine. Liebst es, wenn ich in deine süßen Beinchen beiße und dich auf allen Vieren durch die Wohnung jage. Hast schon so viele Erkältungen, Schnupfen, Husten und Magen-Darm durchgestanden. Keine wilden Dinger und trotzdem intensiv. Hingst an meinem Rücken, während wir durchs Gebirge kletterten. Hast im Meer geplanscht und liebst es auf dem Spielplatz zu sein. So viel hast du schon gelernt mein liebes Kind…wahnsinn. Mit wieviel Mut du aufstehst, nachdem du hingefallen bist. Wie du dich traust meine eine Hand loszulassen um nach etwas Anderem zu greifen. Wie du mit dem kleinen Wagen durch die Wohnung heizt. Dich vor Lachen kugelst, wenn deine Freundin Purzelbäume für dich macht. Wie du weinst, wenn ich dich auf den Boden setze und du doch bei mir sein möchtest. Wie du dich windest und drehst, wenn du nicht gewickelt werden willst. Und wie du deine Arme nach mir ausstreckst, wenn du dich erinnerst, dann ich kurz weg war…oh du kleine, Süße…wie ich dich liebe. Wie schön, dass es dich gibt. Wie schön, dass ich deine Mama sein darf. Danke für dieses Leben mit dir, danke für all deinen Mut es mit mir zu teilen. Für dich, mein liebes Kind!

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