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Food. Yoga. Mama. Life.

Juni 29, 2015
von Agata Jagoda
4 Kommentare

Mein Körper nach der Geburt

In letzter Zeit höre ich viele Komplimente Kommentare:

„Wow, du bist Mutter? Sieht man garnicht.“ oder
„Du siehst ja genauso aus wie vorher.“ oder
„Toll, wie gut du wieder in Form bist.“

Ganz ehrlich? Auch wenn mein Ego einen kurzen Moment lang gestreichelt wird und sich freut, dass mein Umfeld mich als „schöne Frau“ wahrnimmt nerven mich solche Kommentare immer mehr. Mehr als je zuvor habe ich das Gefühl, mein Körper wird  genaustens betrachtet, bewertet und es mir als persönliche Leistung zugeschrieben, dass er ist, wie er ist. Solche Aussagen haben für mich einen komischen Beigeschmack. Es schwingt ein ganz verzerrtes Bild davon mit, wie Mütter aussehen und wie sich der weibliche Körper durch Schwangerschaft und Geburt verändern kann.  Es schwingt eine hohe Erwartung mit, wie man aussehen muss um als schön und ästhetisch zu gelten. Und mit diesen Bildern und Vorurteilen muss ich jetzt mal aufräumen.

Unsere Mütter prägen unser Körperbild

Als Kind habe ich meine Mutter oft gefragt, warum ihr Körper denn so weich ist. Sie hat mir erklärt: „Stell dir vor man bläst einen Luftballon auf und lässt ihn viele Monate aufgepumpt. Dann lässt man die Luft raus. So sieht der Bauch einer Frau aus, die ein Kind bekommen hat.“
Bämms. Diese Aussage hat sich in meinen Kopf eingebrannt und mein Körperbild geprägt. Als ich dann Jahre später meine Yoga-Ausbildung gemacht habe, viel mir die Kinnlade runter: da waren Frauen in den Umkleiden, die nackt wunderschön aussahen und zT. schon drei Kinder geboren hatten! Da stand ich also mit 24 und habe gecheckt, dass nicht alle Mütter aussehen wie meine Mutter…süß…irgendwie aber auch krass.

So lange hat es also gedauert, bis ich realisiert habe, dass nicht jede Frau einen schwabbeligen Bauch hat, wenn sie ein Kind geboren hat. Bis dato habe ich irgendwie auch immer geglaubt, dass Schwangerschaft und Geburt der Abschied jugendlicher Körper bedeuten.

Du bist, was du denkst

Heute weiß ich: meine Gedanken kreieren meine Realität. Und auch die Gedanken über meinen Körper haben einen unglaublichen Einfluss darauf, wie er wirklich aussieht. Als ich schwanger geworden bin kamen von der Generation über mir wieder ähnliche Sprüche: „Na dann pass mal auf, wie es ist aus der Form zu fallen.“ Ich spürte hier Angst vor Kontrollverlust, als würden mir die weisen Frauen meines Umfeldes vor meinem eigenen Körper drohen: damit konnte ich garnichts anfangen. Es hat im Gegenteil bewirkt, dass ich mich noch mehr auf all die Veränderungen gefreut habe. In keinem Moment habe ich geglaubt, dass mein Körper jetzt „hässlich“ wird, dass ich einen Kampf gegen die Pfunde führen muss oder Schwangerschaftssteifen mich lebenslänglich begleiten werden. Und so war es auch nicht. Ich habe mich über jeden Zentimeter Bauchumfang gefreut! Ich habe mich täglich massiert und Liebe in jeden Winkel dieses Wunderkörpers geschickt, der fähig ist Leben zu spenden und mich mit tiefer Dankbarkeit verbunden. Ich glaube, dass viele Frauen stark zunehmen, weil sie sich darauf programmieren. Wer fest daran glaubt, dass er zum Walross mutiert weil er schwanger ist, der wird mit höherer Wahrscheinlichkeit ein paar Kilos mehr auf den Hüften sitzen haben.
Wer den Veränderungen einer Schwangerschaft offen und mit Freude entgegenblickt, der wird auch eine andere körperliche Erfahrung machen: eine Erfahrung voll Reichtum und Wunder.

Positive Gedanken hin oder her: es gibt Schwangerschaften, die anders verlaufen, als man es sich wünscht. Wer 4 Monate lang ständig kotzt, nimmt am Anfang möglicherweise eher Gewicht ab als zu. Jeder Körper ist anders und reagiert auch anders an die Herausforderungen in dieser Zeit. Was ich einfach vermisse sind Frauen, die anderen Frauen keine Angst machen sondern sie ermutigen und ihre eigenen Erfahrungen nicht für allgemeingültig erklären. Als Frauen und Mütter sind wir auf unglaubliche Weise miteinander verbunden. Mein Herz sagt mir, dass es unsere Aufgabe ist dieses schwesterliche Band zu stärken, indem wir andere Frauen unterstützen und das vermeindliche „Feindbild Körper“ zum Fall bringen.

Ein anderes Feedback

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen um mich herum weniger bewerten und mehr fragen:

„Wie FÜHLST du dich in deinem Körper? Für mich siehst du toll aus, empfindest du das auch so?“

So kann ein Dialog entstehen und es bleibt nicht das ungute Gefühl, einen Stempel zu kriegen: Hot or not.

Mütter sehen nie wieder so aus wie vorher

Auch hier sehe ich: die Erfahrungen sind so unterschiedlich, wie die Frauen, die sie machen. Ich kann an dieser Stelle erstmal nur von mir sprechen. Obwohl mein Umfeld immer wieder sagt, ich sehe aus wie früher: mein Körper hat sich verändert. Mein Bauch ist weicher geworden, meine Brüste sind empfindlicher, größer und schwerer. Unmittelbar nach der Geburt war es irre: ich sah viele Jahre jünger aus. Wunderschön, weich, glücklich, als wäre da eine Hülle abgefallen. Mein Gesicht hat sich verändert, mein Blick, meine Gesten und meine Haltung sind geprägt von meinem neuen Leben und der Frau, die ich jetzt bin.

Meine Tochter ist jetzt 9 Monate alt, im Volksmund sagt man: 9 Monate kommt’s, 9 Monate geht’s. Und, ist es schon gegangen? Nein. Ich spüre wie mein Körper diese Erfahrung in der Tiefe gespeichert hat. Im Bereich meiner Gebärmutter und meines Beckens ist jetzt ein gewisses Gefühl, das ich kaum beschreiben kann. Mein Intimbereich musste heilen und die Zellen in mir tragen immer noch eine Schmerzerinnerung in sich. Ich bin mir sicher, dass sich mit Zeit und Geduld all diese Empfindungen verändern werden. Aber eines weiß ich auch: mein Körper fühlt sich nicht mehr an wie vorher. Er sieht für manche vllt. danach aus, aber ich fühle mich einfach anders: gezeichnet von einer körperlichen Transformation namens Schwangerschaft, wunderschön und weiblich. Die Erfahrung Mutter zu werden ist die größte und schönste, die ich je gemacht habe. Ich fühle mich weiblicher als je zuvor und spüre eine größere Verbundenheit zu den weiblichen Qualitäten in mir: ich bin eine Frau, die leben schenkt, behütet und beschützt.

Wenn ich andere Mütter sehe, dann beobachte ich, wie der Körper sich zurückbildet und der große Bauch verschwindet, die Brüste wieder klein und fest werden und alles wieder „normal“ scheint. Aber jede Frau trägt kleine Spuren mit sich, die sie immer an dieses Erlebnis erinnern werden. Vllt ist es die Narbe vom Kaiserschnitt, vllt. Streifen an den Brüsten oder eine Narbe vom Dammschnitt. Ich wünsche mir für uns Frauen, das wir all diese Dinge nicht als Makel sehen, sondern als authentische Spuren einer gewaltigen Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Schöne Spuren, wenn wir sie so sehen können.

 

Juni 22, 2015
von Agata Jagoda
Keine Kommentare

Hilfe ich kriege nur Blödsinn zur Geburt geschenkt

Du erwartest ein Baby und willst vermeiden in einem Meer aus Kuscheltieren, Spielzeug und stinkender Babykosmetik zu versinken? Mit meinen Tips möchte ich dich Anregen, die Sache sinnvoll anzugehen und Geschenkefrust zu verringern.

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Juni 16, 2015
von Agata Jagoda
3 Kommentare

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April 25, 2015
von Agata Jagoda
4 Kommentare

Mit ganzem Herzen Mama: über meine Sehnsucht nach einer neuen Lebensform

Mit Kind zu Hause sein, ohne zu verstauben und sich selbst zu vergessen? Das Bedürfnis spüren, bedingungslos fürs eigene Kind da zu sein ohne gleich als Märtyrer zu gelten?Warum ich mich mit meinen Gefühlen zur Mutterschaft oft alleine fühle.

Mamaherz

Foto von His Noodly Appendage

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März 22, 2015
von Agata Jagoda
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Mein Drittes Trimester

DrittesTrimester

Das Dritte Trimester erstreckt sich von der 28. bis zur 40. Schwangerschaftswoche und ist der Endspurt für Frau und Kind. Jetzt rückt der Geburtstermin unaufhaltsam näher und damit auch der Drang sich selber innerlich/emotional und äußerlich/materiell auf die bevorstehende Geburt und das Leben mit dem Baby vorzubereiten. In dieser Zeit hat mein Körper mich allmählich dazu gezwungen runterzufahren und meinem bisherigen Action-Modus einen Strich durch die Rechnung gemacht… Weiterlesen →

März 6, 2015
von Agata Jagoda
2 Kommentare

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zweitrimester

Alle sagen: im Zweiten Trimester haben Schwangere die meiste Kraft und fühlen sich am wohlsten. Meine Erfahrung? Drei Power-Monate, wie sie im Buche stehen. Wenn ich allerdings bei der nächsten Schwangerschaft etwas anders machen würde, dann genau das…

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Januar 31, 2015
von Agata Jagoda
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„Hilfe, mein Kind erstickt an einem Fussel“ und andere Mamaparanoia

Psycho

Als Teenie hat es mich immer genervt, wenn meine Eltern gesagt haben sie würden sich Sorgen um mich machen. Als Erwachsene macht es mich manchmal sogar wütend. Sorgen. Das ist so eng, einschnürend, belastend. Wir haben Angst um dich: da will ich mich sofort befreien und fühle mich unverstanden. Ich bin glücklich mit dem Leben, das ich lebe: warum macht sich jemand Sorgen um mich? Warum stülpt mir jemand sein Konzept von RICHTIG und FALSCH über und meint, wie ich die Dinge mache ist nicht gut?

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Januar 24, 2015
von Agata Jagoda
3 Kommentare

So eine Mama will ich niemals werden: Idealbilder und die Realität

Lenimotion

Wir alle kennen das. Man beobachtet, wie Mütter mit ihren Kindern umgehen und denkt sich: so will ich niemals werden. Zack, Urteil. Zack, Stempel. Du bist böse, ich weiss es besser. Momentan fällt mir auf, in wievielen Alltagssituationen ich mich über die Dinge erhebe, mich schlauer fühle als andere Menschen und fast arrogant glaube zu wissen, wie die Dinge zu sein haben und warum es andere falsch machen. Es ist für mich eine Überwindung darüber zu schreiben, viel lieber würde ich erzählen, wie toll alles ist. Aber diese neue Ehrlichkeit führt dazu, dass ich immer mehr beobachte, was da alles in mir automatisch abläuft. Was für negative Gedanken ich immer wieder habe, die mir so vorher garnicht bewusst waren. Und jetzt ist es wie mit dem rosa Elefant: sie sind überall. Sie sind klein und verstecken sich in den hintersten Winkeln meines täglichen Gedankenstrudels. Und ich entdecke Dinge, die mir garnicht gefallen.

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