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Supermutter, leg deine Maske ab!

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Hallo große, weite Welt!
Heute muss ich mal was klarstellen. Ich bin Mutter. Hey, habt ihr das gehört? M U T T E R! Woher kommt das plötzliche Desinteresse? Die Schublade in die ich Falle ist tief, dunkel und riecht nach einer Kombination aus Apfelkuchen und Weichspüler. Auf jeden Fall riecht sie nicht nach zwei Bier zu viel, soviel Abenteuer findet man eher in der Schublade davor. Nee, DU machst ja sowas nicht mehr denn DU BIST HALT NE MUTTER.

Wie mir die Kinnlade runtergefallen ist, als ich diesen Satz zum ersten Mal gehört hab. Wie in mir alles brodelt und ich vor Wut und Verletzung die komplette Tischdecke runter reißen und euch mit Löwengebrüll euer Pesto ins Gesicht schmeißen könnte! Das Pesto, das ich für euch gemacht habe, während mein Kind mir am Rockzipfel hing und ich es parallel wie ein Animateur im Hotelclub zum Spiel mit den Töpfen angeregt hab, den Spül der letzten zwei Tage bewältigt und eine Banane verfüttert hab, damit IHR heute an meinem Tisch sitzen und mich beleidigen dürft.

Woher kommt diese Abfälligkeit, die in diesem Satz mitschwingt? Warum gehen alle davon aus, dass mit dem Muttersein Langeweile und Unattraktivität einhergehen?
„Wow, du siehst ja total super aus! Und das OBWOHL du Mutter bist!“
Im Ernst, soll ich mich jetzt freuen oder darf sich meine Wut gleich über deinen Hipster-Mantel ergießen? Und dann gehen wir spazieren und ich erzähl dir wie k.o. ich von der letzten Nacht bin. „Boah, ja.“, sagst du, Jeppe hätte bis 6 aufgelegt und du lagst erst um 10 im Bett obwohl du nächste Woche deine Bachelor-Arbeit abgeben musst, du Ärmster.
Weißt du warum ich müde bin? Weil mein Kind die ganze Nacht durchgekotzt hat und ich neben zwei Stunden Schlaf drei mal die Bettwäsche gewechselt hab. Weil ich mir noch nichtmal mein eigenes Frühstück machen konnte sondern Brei von der Tapete gekratzt hab. Weil ich seit zwei Wochen versuche Mittags zu schlafen aber irgendwie hat das Kind aufgehört mit Pause-Machen. Mitleidig schaust du mich an und fragst mich, ob ich denn heute Abend mit auf die Party komme. Aber das Fragezeichen am Ende hast du verschluckt und schaust verlegen in die Ferne, denn eigentlich kennst du meine Antwort.

Wie kommt es eigentlich, dass schwangere Frauen die absolute Schonfrist bekommen und sobald man mit Kind auf dem Arm durch die Bahn läuft keiner mehr fragt, ob man sich setzen möchte? Dass ich mit Kind und vollen Taschen die Treppe hochlaufe und die aus der WG unter mir an mir vorbeihüpft ohne zu fragen ob ich Hilfe brauche? „Na weil die ditte doch alleene schafft!“

Während mir die Menschen in meiner Schwangerschaft mit Staunen für das Wunder des Lebens in meinem Körper entgegengetreten sind, bin ich in meiner Mutterschaft so ziemlich auf dem Boden der Realität angekommen. Du bist ne Mutter, du kannst das doch selber machen. Plötzlich gilt es als „normal“, dass man sich für jeden anderen zerreißt und Kinderbetreuung, Haushalt, Selbstverwirklichung, Erziehung, Hobbies, Beziehung, Freunde, Sex unter einen Hut kriegt und dabei bis zur Kante erfüllt durch die Weltgeschichte läuft. Und dabei natürlich total scharf aussieht. Wenn ich durch die Straßen laufe, dann sehe ich all die Mütter, die genau wie ich versuchen diese Supermütter zu sein. Glaubt man gar nicht, Supermutter klingt nach nem schicken Cape und ner sexy Ausstrahlung, aber die geht leider unter dem müden Blick verloren. Guckt euch die ganzen Mütter doch mal genauer an! Jaja, voll süß so ein Baby, da könnte man ja fast auf die Idee kommen auch eins haben zu wollen. Da erzählt dir keiner in welchem Gesamtpaket so ein kleines Paket daherkommt! Stattdessen rennen die Frauen lieber durch die Gegend und versuchen dem romantischen Bild der immer-glücklichen Muddi gerecht zu werden.

Und wisst ihr was? Ich hab da gar keinen Bock mehr drauf. Offen gestanden bin ich selber Schuld, dass mich die Rolle als Supermutter so überfordert, weil ich in den letzten Monaten ernsthaft versucht habe ihr gerecht werden zu wollen! Welch ein Fehler! Ich hab versucht es alles zu schaffen: aufstehen, Kind wickeln, anziehen, selber duschen, Essen machen, Kind füttern, Spielplatz, Kind schlafen legen, Wohnung putzen, halbe Stunde Zeit für Kaffee und mich, Kind drei Stunden mit gebeugtem Rücken durch Leipzig begleiten, kochen, Kind füttern, Kind schlafen legen, spülen, um 22 Uhr tot auf die Couch legen, noch bisschen streiten, mit Groll ins Bett gehen, weil der Mann mir nach seinem tollen Unitag die schlechte Laune nicht nachsieht. Ehrlich gesagt: ich mach den Käse nicht mehr mit. Nur weil meine Mutter und alle Frauen vor mir es so gemacht haben muss ich da nicht weitermachen. Ich lege heute ganz offiziell und mit Live-Musik-Begleitung meinen Mantel der Supermutter ab, ne Rose obendrauf und begrabe ihn feierlich. Bisschen traurig bin ich schon, denn was jetzt kommt wird Reibung erzeugen. Der Mann kommt Abends nach Hause und ist zu müde um zu kochen? Nö, ich schnapp mir unser Geld und geh alleine Pizza essen, kümmer du dich doch darum wie die Kleine satt wird. Warum soll ich am Ende immer alles abfangen, ausbaden während ich mich selber nur verausgabe? Ich sage euch, ich breche heute mit der Tradition es immer allen Recht machen zu wollen. Nach dem Essen die erste zu sein, die die Reste vom Boden kratzt. Neben all dem alltäglichen Wahnsinn auch noch zu denken ich müsste oder könnte noch 1000 andere Dinge tun, durch die ich mich entfalten und selbstverwirklichen kann. Sorry, aber solange ich Supermutter bin, kann ich nur schlafen sobald ne Pause am Horizont auftaucht, so erschöpft bin ich von meiner eigenen Dauer-Rödelei, weil ein Teil von mir meint er müsste IMMER. ALLES. SCHAFFEN.
Ab heute lasse ich die Dinge liegen und empfange den Mann abends mit ner dreckigen Chaosbude. Geil, fühlt sich irgendwie befriedigend an. Ab heute antworte ich auf die Frage „Wie gehts?“ ehrlich und sage wie angestrengt ich von meinem Leben momentan bin. Ich höre auf alles zu retten, was im Alltag daneben geht, lasse Bomben hochgehen und beginne zu deligieren: um Hilfe zu bitten, wenn ich einfach ne Pause brauche. Ich fange an mich selber wie eine kostbare Mutter zu behandeln. Eine Mutter, die geschont werden muss, sich Liebe und Wertschätzung gibt und zu sich selbst sagt, wie wunderbar sie das alles macht. Eine Mutter, die sich kleine Geschenke macht und sich nicht alles auf den Kopf lädt, was andere oder „die Gesellschaft“ erwarten, sondern ganz geerdet zu ihrer eigenen Begrenzung steht. Die nicht mehr versucht, das perfekte, alles vereinende Muttertier zu sein, sondern eine ganz normale Mutter, die manchmal von allem genervt ist, vor allem von ihrem Kind. Ab heute lasse ich meine Ansprüche fallen. So, und jetzt geh ich erstmal in die Sauna, chillen!

6 Kommentare

  1. geil agata!! raus damit, weg damit!!! ich beglückwünsche dich von herzen!
    drücke und vermisse dich von genau da. sehr.

  2. Legosteine im ganzen Haus, Angetrocknete Banane unterm Hochstuhl, Abwäsche stappelt sich…
    Vielen Dank für deine Worte, ich geh jetzt eine große Entspannungs-spaziergangs-runde mit dem Hund und dann ins Bett. Irgendwer wird es schon weg räumen 🙂

  3. Yess! Da kann ich dir nur zustimmen 😉 Auf Wiedersehen, Super-Muttis! Ich hab’s auch aufgegeben. Dann ist es eben mal dreckig und chaotisch. So what? 😉

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